Mit 18 hat sich Oliver Leetz das erste Mal tätowieren lassen. Heute entwickelt er mit seinem Geschäftspartner Helge Bochmann innovative kabellose Tätowiermaschinen. Dafür haben beide mit Hilfe der Bürgschaftsbank Leebo Engineering gegründet.
Tätowierungen sind zu einem Massenphänomen geworden. Für die einen ein Zeichen der Zugehörigkeit und Identifikation, für andere Körperverletzung. Umgeben von einer Aura des Rebellischen war die Kunst des Tätowierens schon den Menschen der Steinzeit bekannt. Ägyptische Priesterinnen schmückten sich damit, die Römer markierten auf diese Weise Sklaven und Verbrecher. Sogar Ötzi war tätowiert.
So unterschiedlich wie die Motive, sind die Techniken beim Tätowieren. Auf Tahiti wird mit Hilfe eines Haifischzahnes tätowiert. Die Inuit benutzen eine spezielle Fadentechnik und in anderen Kulturen werden mit einem Holzstab das Motiv und die Farbpigmente unter die Haut gebracht. Maschineller geht es in Deutschland und anderen europäischen Ländern zu, wo mittels Spulen- oder Rotarymaschine tätowiert wird.
Oliver Leetz und Helge Bochmann lernten sich bei der gemeinsamen Arbeit für ein Medizintechnik-Unternehmen kennen, entwickelten hier mit viel Eigeninitiative neue Produkte, unter anderem eine kabellose, akkubetriebene Tätowiermaschine.
Weil sie sich im Tatendrang oft gebremst fühlten und auch von Wertschätzung und Bezahlung andere Vorstellungen hatten, reifte die Idee, sich selbstständig zu machen. 2020 gründeten sie ihre Firma mit einer Akku-Halterung fürs Fahrrad als erstes eigenes Produkt. „Wir wollten sehen, wie eine Firma funktioniert“, erzählt Bochmann, „wollten unternehmerisch laufen lernen.“ Nach dem Ausscheiden beim alten Arbeitgeber entwickelten sie ab Juni 2021 die Acus M1, eine kabellose, leicht zu bedienende, voll demontierbare Tätowiermaschine mit komplett digital geregelter Motorsteuerung und Display – leistungsstark, langlebig und robust. Seit Ende Mai 2022 ist die aktuell fortschrittlichste kabellose Tattoomaschine auf dem Markt.
„Es gab wohl keine blödere Zeit, sich selbstständig zu machen“, sagt Helge Bochmann. „Die Lieferschwierigkeiten, besonders bei den Steuerungs-Chips, bremsen uns ganz schön aus.“ Dass Tattoomaschinen nicht zu den alltäglichen Themen eines Bankers gehören, haben beide beim Versuch der Finanzierung ihres Vorhabens bemerkt. 250.000 Euro benötigten sie und wollten diese zunächst „so auftreiben“. Zu allen Banken, die man kennt, sei man gelaufen. Jede zeigte Interesse an der Idee, um die beiden Unternehmer dann „zappeln zu lassen“. „Drei, vier Monate haben wir so verschwendet“, erinnert sich Leetz. Dann sei man bei der Deutschen Bank in Berlin gelandet. „Die waren gut vorbereitet“, sagt Bochmann, „haben uns mit Fragen gelöchert, nicht mit Lob gespart und uns zur Bürgschaftsbank Brandenburg geschickt. Dann ging alles sehr schnell.“
Foto: Leebo Engineering